DissBlog

Gedanken einer Doktorandin

„Mathematik ist ganz anders.“

„Mathematik soll, das ist meine These, das Rückgrat stärken und nicht das Rückgrat brechen. Sie stärkt die Persönlichkeit.“

Dies sagt der Mathematiker Albrecht Beutelspacher in einem Interview, das auf Spiegel Online zu finden ist. Er argumentiert, dass die Schüler anders als in anderen Fächern wie z.B. Deutsch in Mathematik mit dem Lehrer auf einer Stufe seien, selbst feststellen können, ob ihre Rechnung richtig ist oder nicht. Im Fach Deutsch z.B. habe der Lehrer immer einen Wissensvorsprung, den die Schüler unmöglich aufholen können.

Allerdings ist Mathematik trotzdem eines der am meisten gehassten Fächer. Der Grund dafür ist laut diesem Zeit-Artikel der „öde Unterricht: Die Schüler trotten dem Lehrer auf seinem Lösungsweg hinterher.“

Einigen wenigen, die aus Begabung oder Interesse heraus gut in Mathematik sind, wird vielleicht das Rückgrat gestärkt, aber die meisten Schüler quälen sich durch die Stunden… Natürlich können auch die Lehrer hier etwas tun, aber ich habe das Gefühl, dass die Mathematik (noch schlimmer als allgemein die Naturwissenschaften) in der Gesellschaft auch nicht hoch gewertet wird. Wie oft hört man jemanden schon fast stolz sagen, dass er in Mathematik/Physik/Chemie noch nie gut war, während so eine Aussage z.B. über Deutsch vielen Menschen peinlich wäre.

Beutelspacher sagt dazu: „Die Mathematiker verwenden traditionell ganz viel Energie darauf, Argumente und Lösungen so perfekt zu machen, dass völlig makellose Schönheit entsteht. Das ist Artistik auf dem Hochseil, die man bewundern kann. Viele Laien sagen dann auch: Damit habe ich nichts zu tun.“

Ich fürchte, viele Menschen sehen diese Schönheit auch gar nicht, können sie ohne die entsprechende Ausbildung auch gar nicht sehen. Dies stellt die Mathematik natürlich vor ein fundamentales Problem: Wie vermitteln sie ihre Faszination an diesem Gebiet?

Selbst mir aus dem doch recht verwandten Gebiet der Physik ist es unklar, wie man sich darüber freuen kann, erst einmal gezeigt zu haben, dass eine Lösung existiert, auch wenn man sie nicht kennt und dann vielleicht auch gar nicht mehr kennen will…

Das von Beutelspacher geleitete Mathematikum in Gießen ist „das erste mathematische Mitmachmuseum der Welt“ – sicherlich ein guter Schritt dazu, die Mathematik zu verbreiten und insbesondere Schüler dafür zu interessieren.

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27. Januar 2008 - Posted by | Öffentlichkeit, Mathematik | , ,

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