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Gedanken einer Doktorandin

Nanotechnologie ist Teufelszeug

perchten49_204303.jpgNanotechnologie wird besonders von religiösen Menschen in den USA aus moralischen Gründen abgelehnt. Dies hat eine Untersuchung der Wisconsin-Madison Universität ergeben. In Amerika finden nur etwa 30 Prozent der Menschen Nanotechnologie moralisch akzeptabel, in den untersuchten Ländern in Europa immerhin zwischen 54 Prozent (UK) bis 72 Prozent (Frankreich).Der Autor der Studie erklärt den Unterschied mit der stärkeren Religiösität der Amerikaner. Die Menschen denken, dass „Wissenschaftler Gott spielen wenn sie Materialien erzeugen, die nicht natürlicherweise in der Natur vorkommen, besonders dort, wo Nanotechnologie und Biotechnologie ineinandergreifen“ (Übersetzung von mir).

Ich will nicht jeglichen Einsatz von Nanotechnologie ohne Unterscheidungen rechtfertigen, aber die Einstellung, neues nur deswegen abzulehnen, weil die Menschen es geschaffen haben und es so nicht in der Natur vorkommt, kommt mir doch sehr einseitig und sinnlos vor.

Ich frage mich, warum dann nicht die restlichen 70 Prozent der Amerikaner als Amish leben, wenn sie alle moderne Technologie als unmoralischen Eingriff in die Schöpfung interpretieren. Auch Plastik kommt in der Natur so nicht vor, wird aber offensichtlich nicht von einem großen Teil der Amerikaner abgelehnt.

Bild: © Schneeflockerl / PIXELIO

University of Wisconsin-Madison (2008, February 15). Religion Colors Americans‘ Views Of Nanotechnology. ScienceDaily.

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17. Februar 2008 - Posted by | Öffentlichkeit, Physik, Religion | , , , , ,

2 Kommentare »

  1. Guter Hinweis, danke!

    Die Sprachlosigkeit, manchmal auch Feindseligkeit zwischen (demografisch wachsenden) religiösen Gemeinschaften einerseits und (an Erkenntnissen wachsenden) wissenschaftlichen Kreisen andererseits macht mir inzwischen durchaus Sorge. So geht nach den Daten des Bertelsmann Religionsmonitors 2008 auch in Deutschland das Vertrauen in naturgesetzliche Welterklärungen in den jüngeren (häufiger aus religiösen Familien stammenden) Generationen deutlich zurück.

    http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4686471/

    Ich fände es tragisch, wenn sich auch in Deutschland das wechselseitige Unverständnis verhärten würde. Leider sieht es in Ansätzen danach aus.

    Mit nachdenklichen Grüßen

    Michael Blume

    Kommentar von Michael Blume | 19. Februar 2008 | Antwort

  2. Nun, so ziemlich alles, was wir heute nutzen, war irgendwann mal „Teufelszeug“, sogar Bücher.

    „Nano“ bedeutet im Grunde nichts weiter als „klein“ und kleine Teile gibt es auch in der Natur. Eigentlich bestehen wir selbst auch aus einer Unmenge sinnvoll zusammengesetzter kleiner Teile, denn jede Materie lässt sich in Einzelteile „zerlegen“.

    Wie im Laufe der technischen Entwicklung immer feinere Mechaniken entstanden sind, wird in der Nanotechnologie einfach mit sehr kleinen Teilen gearbeitet. Brauchte man noch vor wenigen Jahrzehnten bandgestützte Speicherapparaturen in Einfamilienhausgrösse für die Erfassung der Telefonbücher Deutschlands, so passen heute alle Telefonbücher Europas auf einen Chip, der nicht einmal die Fläche einer Briefmarke einnimmt.

    Die Nanotechnologie ist im Grunde nichts weiter als die konsequente Weiterentwicklung der Feinmechanik mit einer Fülle sehr interessanter neuer Möglichkeiten in sehr vielen Bereichen des Lebens.

    Kommentar von Norbert Warnke | 6. November 2008 | Antwort


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