DissBlog

Gedanken einer Doktorandin

Schon wieder unterwegs und trotzdem Schreiben

Wie ich eben schon bei den Wissenslogs geschrieben habe, bin ich ab nächster Woche schon wieder unterwegs. Der Anlass ist sehr erfreulich, bei unserem Experiment auf der ISS wird übernächste Woche ein kleiner Teil durchgeführt, der zu meiner Doktorarbeit gehört. Ich darf mit nach Russland fahren und dort im Kontrollzentrum dabeisein, wenn der Kosmonaut das Experiment durchführt. Wird alles sehr spannend. 🙂

Neben der Vorbereitung des Experiments und „Rumspielerei“ mit meinem neuen Mac schreibe ich im Moment auch an meinem nächsten Paper. Das macht einerseits Spaß, ich schreibe gerne und habe auch schöne Experimente zum Vorzeigen, denke ich. Andererseits finde ich es wirklich stressig, hier kommt es darauf an, alles richtig zu machen und keine dummen (oder sonstwelche ;)) Fehler einzubauen. Na ja, mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als alles so gut zu machen, wie es geht, und trotzdem das Schreiben und Berichten zu genießen.

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17. Juli 2008 Posted by | Dissertation, Physik, Raumflug, Wissenschaft | , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Test der Stringtheorie mit Komplexen Plasmen

Blogging on Peer-Reviewed Research LogoIn einem kürzlich veröffentlichten Artikel schlägt mein Kollege Markus Thoma einen Test der Stringtheorie mittels sogenannten „Einkomponenten Plasmen“ vor. So ein Plasma besteht aus geladenen Teilchen, die mittels Coulomb-Kraft miteinander in einem neutralisierenden Hintergrund wechselwirken. Mit diesem Modell kann man also ein echtes Plasma oder auch ein Komplexes Plasma, das ja außer den Ionen und Elektronen noch Mikroteilchen enthält, simulieren. Theoretisch sollte der Test also auch auf Komplexe Plasmen ausweitbar sein.

Aber einen Test der Stringtheorie? Die will ja bekanntermaßen eine „Theorie für Alles“ sein, also sämtliche Kräfte miteinander vereinen. Dazu verwendet sie als grundlegende „Teilchen“ die Strings, die kleiner als alle anderen Teilchen sind und die Kräfte durch Vibrationen erzeugen.

Nun sagt diese Theorie unter anderem voraus, dass das Verhältnis der Viskosität (die angibt, wie zähflüssig das System ist) und der Entropie (der Ungeordnetheit des Systems) immer größer als das Verhältnis zweier Naturkonstanten sein muss (insgesamt eine Zahl von 6 x 10^-13 K s). Diese Aussage sollte für alle relativistischen Quatenfeldtheorien gelten, und sollte daher auch auf nicht-relativistische Systeme ausweitbar sein.

Bisher wurden auch tatsächlich keine widersprechenden Messungen gemacht. Auch das in Markus Thomas errechnete Verhältnis dieser beiden Größen in Einkomponenten-Plasmen widerspricht der Aussage nicht. Nun wäre es interessant, diesen Wert z.B. in Komplexen Plasmen tatsächlich zu messen. Die Viskosität dieser Systeme wurde bereits experimentell bestimmt, nur die Entropie noch nicht.

Falls dann aber tatsächlich ein Widerspruch gezeigt wird, würde dies keinesfalls das Ende der Stringtheorie bedeuten, sondern es wäre nur die Hypothese widerlegt, dass man das Ergebnis auf nicht-relativistische Systeme ausweiten kann.

6. Juli 2008 Posted by | Physik | , | Hinterlasse einen Kommentar

Panikmache zum Large Hadron Collider

Die so gut wie völlig grundlose Angst vor dem Large Hadron Collider geht weiter. Wie ich jetzt bei Pharyngula gesehen habe, gibt es zwei Umfragen zu dem Thema. Im Moment sind 61 % der Teilnehmer der Meinung, dass der „gigantische Teilchenzerschlager das Risiko“ nicht wert sei. Ob das vielleicht, ganz vielleicht an dem Anfang des Artikels liegt?

„Kritiker befürchten, dass der Beschleuniger die Erde dem Untergang weihen könnte – Der stärkste Atom-Zerschlager der je gebaut wurde könnte einige bizarre Entdeckungen machen, so wie unsichtbare Matiere oder zusätzliche Dimensionen im Raum, nachdem er im August angeschaltet wird.  Aber einige Kritiker befürchten, dass der Large Hadron Collider die wildesten Vermutungen der Physiker übertreffen könnte: Wird er ein Schwarzes Loch gebären, das die Erde fressen könnte? Oder Teilchen ausspucken, die den Planeten in einen heißen toten Klumpen verwandeln?“

Also bitte! Und danach sollen die Leute sich eine Meinung bilden und abstimmen können? Der Rest des Artikels wird zwar ein kleines wenig besser, aber die Umfrage folgt nach dieser Einleitung, die deutlich zeigt, dass der Autor keine Ahnung hat und es ihm nur um einen sensationslustigen Artikel geht…

Weiter unten werden dann zwar die Entdeckungen kurz aufgezählt, die der LHC möglich machen soll, aber kein Stück der Spannung und der Faszination daran rübergebracht, einen großen Schritt zum Verständnis unserer Welt zu machen, sondern der Autor nennt dies „bizarr“.

Und dann auch so etwas: „Der Physiker Martin Rees hat die Wahrscheinlichkeit, dass der Beschleuniger eine globale Katastrophe hervorrufen wird, zu 1:50 Millionen abgeschätzt – schlechte Chancen, aber in etwa dieselbe wie in einigen Lottieren zu gewinnen.“ Oh, und man liest ja immer wieder, dass Leute im Lotto gewinnen – also ist es ganz schön wahrscheinlich, dass das passiert, oder nicht?

Dass nur ein LHC gebaut wird und nicht Millionen (wie die Anzahl der Leute, die Lotto spielen), wird nicht erwähnt. Stattdessen wird gesagt, dass auch die Amerikanische Science Foundation und das Energieministerium an dem LHC beteiligt sind, und impliziert, dass sie sich wohl nur deswegen auf die Seite der Wissenschaftler stellen, weil sie viel Geld investiert haben und auch amerikanische Wissenschaftler dort arbeiten wollen…

So etwas unter „Wissenschaftsnachrichten“ abzulegen, sollten sich die Verantworlichen noch einmal genau überlegen. „Schlecht recherchierter, panikmachender Kommentar“ würde es eher treffen.

PS: Alle Übersetzungen aus dem Englischen von mir.

30. Juni 2008 Posted by | Öffentlichkeit, Physik | , , | 6 Kommentare

Laborgeschichten: Reproduzierbarkeit

Meine Woche im Labor geht weiter… Die Software benimmt sich mittlerweile (obwohl wir die halbwegs verlorenen Daten noch immer nicht wieder vollständig wiederherstellen konnten). Ich habe am Anfang der Woche einige schöne Daten aufgenommen, gleich als Bilder exportiert und gesichert. Das war also erfolgreich. 🙂

Am nächsten Tag habe ich mit einer anderen Person ein „Basisexperiment“, wie er es nannte, gemacht, d.h. einfach mal etwas ausprobiert (unseren RF-Generator zu pulsen und zu schauen, was passiert). Und gestern wollte ich dann weiter an dem Thema von Montag machen – und derselben Effekt ist bei denselben Bedingungen nicht wieder aufgetreten. Das ist natürlich überhaupt nicht gut, Effekte müssen reproduzierbar sein, sonst weiß man ja nicht, was genau sie verursacht hat.

Morgen werde ich – nachdem ich den Vormittag mit einigen Studenten verbringen werde, die einen Praktikumsversuch für die Uni machen – dann nachmittags nochmal schauen, vielleicht habe ich gestern ja etwas übersehen. Ansonsten werde ich die Kammer belüften, öffnen und vernünftig putzen.

Bei dem Basisexperiment sind nämlich viele unserer Mikroteilchen einfach auf den Boden oder an die Fenster gefallen und dort kleben geblieben, die könnten also stören. Leckgetestet habe ich eigentlich erst letzte Woche, daran sollte es nicht liegen. Hoffen wir, dass nächste Woche dann wieder alles so funktioniert wie in den Originalversuchen.

1. Mai 2008 Posted by | Dissertation, Labor-Geschichten, Physik | , , | 3 Kommentare

ITER-Fan

Ich bin gerade zum ITER-Fan geworden. 🙂

ITER ist der Internationale Thermonukleare Experimentale Reaktor, der gerade in der Provence in Frankreich gebaut wird. Es soll das erste Projekt sein, mit dem mittels Fusion mehr Energie gewonnen wird, als in die Maschine gesteckt wird. Falls das klappt, könnten wir aus Lithium und Deuterium Energie gewinnen, ohne den extrem langlebigen radioaktiven Müll aus Nuklearreaktoren, ohne CO2 wie aus Kohlekraftwerken, und ohne das Risiko einer Kernschmelze. Klingt zu gut um wahr zu sein?

Viele Wissenschaftler arbeiten daran, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, und ich denke, dass es gelingen wird. In der Zwischenzeit bin ich schon mal dem Iter-Fanclub beigetreten.

17. April 2008 Posted by | Physik | , , | Hinterlasse einen Kommentar