DissBlog

Gedanken einer Doktorandin

Panikmache zum Large Hadron Collider

Die so gut wie völlig grundlose Angst vor dem Large Hadron Collider geht weiter. Wie ich jetzt bei Pharyngula gesehen habe, gibt es zwei Umfragen zu dem Thema. Im Moment sind 61 % der Teilnehmer der Meinung, dass der „gigantische Teilchenzerschlager das Risiko“ nicht wert sei. Ob das vielleicht, ganz vielleicht an dem Anfang des Artikels liegt?

„Kritiker befürchten, dass der Beschleuniger die Erde dem Untergang weihen könnte – Der stärkste Atom-Zerschlager der je gebaut wurde könnte einige bizarre Entdeckungen machen, so wie unsichtbare Matiere oder zusätzliche Dimensionen im Raum, nachdem er im August angeschaltet wird.  Aber einige Kritiker befürchten, dass der Large Hadron Collider die wildesten Vermutungen der Physiker übertreffen könnte: Wird er ein Schwarzes Loch gebären, das die Erde fressen könnte? Oder Teilchen ausspucken, die den Planeten in einen heißen toten Klumpen verwandeln?“

Also bitte! Und danach sollen die Leute sich eine Meinung bilden und abstimmen können? Der Rest des Artikels wird zwar ein kleines wenig besser, aber die Umfrage folgt nach dieser Einleitung, die deutlich zeigt, dass der Autor keine Ahnung hat und es ihm nur um einen sensationslustigen Artikel geht…

Weiter unten werden dann zwar die Entdeckungen kurz aufgezählt, die der LHC möglich machen soll, aber kein Stück der Spannung und der Faszination daran rübergebracht, einen großen Schritt zum Verständnis unserer Welt zu machen, sondern der Autor nennt dies „bizarr“.

Und dann auch so etwas: „Der Physiker Martin Rees hat die Wahrscheinlichkeit, dass der Beschleuniger eine globale Katastrophe hervorrufen wird, zu 1:50 Millionen abgeschätzt – schlechte Chancen, aber in etwa dieselbe wie in einigen Lottieren zu gewinnen.“ Oh, und man liest ja immer wieder, dass Leute im Lotto gewinnen – also ist es ganz schön wahrscheinlich, dass das passiert, oder nicht?

Dass nur ein LHC gebaut wird und nicht Millionen (wie die Anzahl der Leute, die Lotto spielen), wird nicht erwähnt. Stattdessen wird gesagt, dass auch die Amerikanische Science Foundation und das Energieministerium an dem LHC beteiligt sind, und impliziert, dass sie sich wohl nur deswegen auf die Seite der Wissenschaftler stellen, weil sie viel Geld investiert haben und auch amerikanische Wissenschaftler dort arbeiten wollen…

So etwas unter „Wissenschaftsnachrichten“ abzulegen, sollten sich die Verantworlichen noch einmal genau überlegen. „Schlecht recherchierter, panikmachender Kommentar“ würde es eher treffen.

PS: Alle Übersetzungen aus dem Englischen von mir.

30. Juni 2008 Posted by | Öffentlichkeit, Physik | , , | 6 Kommentare

Schreibwerkstatt

Stifte - Credit: .janneok., under the GNU LicenceNach zwei spannenden Tagen im Labor habe ich gestern und heute einen Kurs über die Wirkung von Texten besucht. Sehr interessant, wie ich fand.

Der Kursleiter war an einer Studie beteiligt, bei der die Teilnehmer die Stellen einer Zeitung marktiert haben, bei denen sie einen Artikel nicht mehr weitergelesen haben. Somit konnte man sehr genau bestimmen, welche Kriterien zu Leseabbruch führen.

Dinge, die sich positiv darauf auswirken, ob ein Text überhaupt oder mehr als der erste Abschnitt eines Texts gelesen wird, sind Fotos, ein interessanter erster Abschnitt (soso 😉 ), viele mögliche Visualisierungen, gute Überschriften. Quotenkiller sind zum Beispiel schlechte Zitate, statische Texte und zu viele Nominalisierungen.

Mal sehen, ob ich etwas von dem Gelernten hier oder auch beim Schreiben von wissenschaftlichen Texten für meine Dissertation umsetzen kann.

13. Januar 2008 Posted by | Öffentlichkeit, Dissertation | , , , | 1 Kommentar